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Boulevard Ulmer Straße

Presse

Schwäbische Post vom 08. September 2016 von Dagmar Oltersdorf

Die Gesichter der Ulmer Straße

Kulturprojekt Aalener Bürger startet im Oktober

Eine Durchgangsstraße ist sie, die Ulmer Straße. Große Gebäude säumen sie. Firmen, Institutionen, die Flüchtlingsunterkunft, das WiZ, die Moschee. Den Menschen dahinter ein Gesicht geben, das möchte das Theater der Stadt Aalen zu seinem 25. Geburtstag als Impulsgeber des Projektes „Boulevard Ulmer Straße.“ Los geht das rund einjährige Projekt am 1. Oktober. 

Wird man 25 Jahre alt, blickt man gerne zurück. Doch das Theater der Stadt Aalen will es anders machen. „Wir finden es spannend, in die Zukunft zu sehen“, erklärt Intendant Tonio Kleinknecht, wie es zum Konzept für den Boulevard Ulmer Straße kam. „Uns interessiert, wie leben wir im Europa der Zukunft.“ Zusammenwachsen gehört dazu. Deshalb habe man die Idee gehabt, Einrichtungen, Institutionen und Menschen der Straße zusammenzubringen, in der das Theater seinen Sitz hat.

Ein Jahr lang kontaktierten die Theaterleute und die Projektkoordinatorin Daniela Mühlbäck mögliche Kooperationspartner. Und wurden fündig. So unterschiedliche Teilnehmer wie die GSA und die Moschee, die Tonfabrik und die Flüchtlingsunterkunft, die Villa Stützel und die Gemeinde St. Maria, die bfz-Fachakademie für Sozialpädagogik und der Freudenschmaus, die DAA und das Proviantamt wurden ins Boot geholt. Ihre Gründe, mitzumachen, sind unterschiedlich. Das Kino am Kocher beispielsweise, das am Eröffnungsabend einen Film in der Schrottfabrik zeigen wird, sieht sich ohnehin in der Tradition von „Integration anderer Kulturen“, wie Walter Heichel erklärt. Die Ditib-Moschee will sich damit für „ein noch besseres Miteinander“, einsetzen, so deren Bildungsbeauftragter Muammer Ermis.

Anfangs durchaus skeptisch gewesen sei sie, gesteht dagegen Anke Reese, kaufmännische Leiterin der GSA. Dann aber habe sie die Idee, die Gesichter der Firma einmal nach vorne zu bringen, gut gefunden. Und beim gemeinsamen Essen in der Gerücheküche spreche man zwar nicht nur über die Arbeit, könne aber die Firma gut präsentieren.

Die Gerücheküche ist die ständige Veranstaltung des Projektes, das mit einem Spaziergang über die Ulmer Straße am Samstag, 1. Oktober, 18.30 Uhr eröffnet wird. Um 20 Uhr zeigt das Kino am Kocher einen Überraschungsfilm in der Schrottfabrik. Ab Oktober werden Institutionen wie die Kulturküche oder die BIWAQ jeweils einen Monat lang jeden Mittwoch Suppe an Stationen in der Ulmer Straße ausschenken. 

Stationen des Boulevards

Der Augenblick: Fotografien werfen signifikante Blicke auf Motive in der Ulmer Straße. Autoren, die bereits für das Theater geschrieben haben, bekommen sie und schreiben Geschichten dazu. Diese sind dann vor Ort zu erleben, in Aufführungen in der Villa Stützel oder auch per Smartphone. Auch Aalener sind eingeladen, Geschichten zu den Bildern zu schreiben.

Busgeschichten: Aalener Künstler zeigen auf den digitalen Anzeigetafeln der OVA-Linien 61 und 62 unbekannte Perspektiven auf die Ulmer Straße.

Rock am Boulevard: Die Tonfabrik öffnet am Samstag, 4. Februar ihre Tore für junge Bands.

Nathan Next Door: Die Lesung ist am 29. Januar in der Ditib-Moschee und am 26. Mai im Albert-Schweitzer-Haus Unterkochen zu erleben.

GSA Boogaloo oder: Wie klingt die Gsa? Musikschule, Schillerschule, tamilische Schule erkunden mit dem Künstlernetzwerk „New Limes“ am 30. März, 1. und 2. April den Klang der GSA.

Grenzgänger: Ab Mai begibt sich der Spielclub II des Theaters Aalen in der Tonfabrik auf eine spannende Reise.

Experimentelle Kocherwanderung: Stationentheater im Zusammenarbeit mit dem Haus der Jugend und der Spiel-und Theaterwerkstatt Ostalb: Termine: 4., 11., 18. und 25. Juni.

Der Boulevard feiert: Abschlussfest am 18. Juni beim Proviantamt/Firma Seydelmann KG.


Aalener Nachrichten vom 08. September 2016 von Ansgar König

Ulmer Straße: Bunte Mischung der Kulturen

Das Kunst- und Kulturprojekt Boulevard Ulmer Straße begleitet die Jubiläumsspielzeit des Aalener Stadttheaters

Die Ulmer Straße als heterogenen Stadtbereich, als bunte Mischung der Kulturen, als urbanes Symbol für Integration darzustellen, das ist die Intention des soziokulturellen Projekts Boulevard Ulmer Straße, das die Jubiläumssaison des Theaters der Stadt Aalen begleiten wird. Man wolle nach 25 Jahren Stadttheater nicht zurückblicken, sagt Intendant Tonio Kleinknecht vor dem Festakt am 27. September um 19 Uhr im Wi.Z. Nur wenige Tage später, am 1. Oktober um 18.30 Uhr, wird dann das Großprojekt Boulevard Ulmer Straße in der Schrottfabrik eröffnet.

Ein Jahr Vorbereitung, 50 Veranstaltungen, 30 Kooperationspartner: Ein Projekt mit einem solchen Ausmaß hat es am Aalener Theater bisher nicht gegeben. Projektleiterin Daniela Mühlbäck hat im Vorfeld die unterschiedlichsten Institutionen, Vereine und Firmen an einen Tisch geholt. „Jetzt geht’s endlich los“, freut sich Tonio Kleinknecht.

Immer mittwochs gibt’s Suppe für alle

Einige Veranstaltungen begleiten das interkulturelle Projekt durchgehend bis zur Abschlussveranstaltung am 18. Juni 2017 am Proviantamt. Zum Beispiel die „Gerücheküche“. Die unterschiedlichsten Aalener Einrichtungen werden immer mittwochs von 12 bis 14 Uhr Suppe für alle kochen – jeweils einen Monat lang im Wechsel. Den Auftakt macht im Oktober die DAA, im November folgt die „Tonfabrik“. Gespeist wird im extra pink gestrichenen Bauwagen, der hinterm Wi.Z auf Besucher wartet. „Zusammenkommen, kennenlernen, gemeinsam essen, Kultur und Gespräche“, verspricht sich Theaterpädagogin Anne Klöcker, die das Projekt koordiniert. Oder das Projekt „Der Augenblick – Bilder mit Geschichte(n)“ unter der Leitung von Theatermann Winfried Tobias. „Wir haben Momentaufnahmen an signifikanten Stellen gemacht, unterschiedliche, eigenwillige Motive, und Autoren, die in den vergangenen 25 Jahren für uns gearbeitet haben, ein kurzes Stück dazu schreiben lassen“, erklärt Tobias. Das Ergebnis kann der interessierte Zuschauer dann bei der Ausstellung in der Villa Stützel per Smartphone direkt vor den Plakaten abrufen. „Busgeschichten“ heißt der Beitrag von fünf Aalener Künstlern (Andreas Böhm, Martina Ebel, Silke Schwab, Ines Tarler und Andreas Welzenbach), die sich schon mehrfach mit Kunst im öffentlichen Raum beschäftigt haben. Sie machen aus den Buslinien 61 und 62 der OVA, die entlang der Ulmer Straße fahren, Bilderstrecken im wörtlichen Sinn – Bilder auf der Strecke. Bildschirme in den Bussen lassen Kunst live erleben.

Ein interessantes Projekt steuert im Frühjahr das Künstlernetzwerk New Limes zusammen mit der tamilischen Tanzschule, der Schiller- und der Musikschule bei. Titel: „GSA Boogaloo oder wie klingt die GSA?“ Im Mittelpunkt aller künstlerischen Projekte steht natürlich der integrative Charakter, der sich am Beispiel der Ulmer Straße – von der katholischen Kirche Sankt Maria bis zur Ditib-Moschee und dem Wi.Z – sehr gut erleben lässt. Beispielhaft sei hier ein Zitat von Walter Heichel vom Vorstand des Kinos am Kocher genannt: „Uns ist das Verständnis für andere Kulturen wichtig.“ Das Kino wird den Projektstart am 1. Oktober in der Schrottfabrik mit einem Überraschungsfilm unterstützen. „Diese Idee passt wie die Faust aufs Auge zu uns“, freute sich beim Pressegespräch Ralf Kurek von der Villa Stützel. Oder Burkard Rausch, Geschäftsführer der Firma GSA, die große Teile des Umfelds der Ulmer Straße in Beschlag nimmt: „Wir machen gerne mit, schließlich arbeiten bei uns zwei Dutzend verschiedene Nationalitäten.“ Für Michael Junge, Diakon der Marienkirche, bedeutet die Ulmer Straße „Bildung, Arbeit, Wohnen und Theater, aber auch Gebet.“ Ulrike Breunig vom Beruflichen Fortbildungszentrum bfz fasst ihre Erwartungen prägnant zusammen: „Ich hoffe, dass ein Netzwerk über die Straße hinweg entsteht.“


Aalener Kulturjournal (online) von Herbert Kullmann, veröffentlicht am 09. September 2016

Am 1. Oktober startet das Kunst- und Kulturprojekt Boulevard Ulmer Straße

Das Bild gleich jenem, das die Beatles beim Überqueren der  Abbey Road zeigt - zumindest in Ansätzen - da laufen viele Menschen wie am Schnürchen aufgereiht die Ulmer Straße entlang. "Was soll das?", mag sich so manch Vorbeieilender gefragt haben, ohne eine Antwort zu erwarten. Dabei wäre diese hochinteressant ausgefallen, denn die seltsam anmutende Gruppe plant Spannendes. Nicht unbedingt Neues, denn ein großes gemeinsames Kulturprojekt, so das Vorhaben, auf den Weg zu bringen gab es vor rund einem Vierteljahrhundert schon einmal. Was damals im Sande verlief, soll heuer richtig gut werden.

Die Projektkoordinatorin Daniela Mühlbäck sieht denn auch im Gefolge des Theaterjubiläums  eine gute Chance für solch ein Remake, zumal sie die richtigen Partner auf ihrer Seite weiß. Wer die Ulmer Straße als bloßes GSA-und Erlau-Domizil im Kopf hat, irrt. Marienkirche, Theater der Stadt und vielleicht noch die Moschee bestimmen das Bild mit. Aber eben nicht nur. Da ist die Villa Stützel, die seit einem Jahr mit erstklassigen Kulturevents auf sich aufmerksam macht, und da sind die vielen großen wie kleinen sozialen Initiativen und Einrichtungen, die der Ulmer Straße in einer fast beispiellosen bunten Mischung ihr heterogenes Gesicht geben.

Für Theaterintendant Tonio Kleinknecht ein guter Grund, das soziokulturelle Projekt als urbanes Symbol für die Chance zur Integration darzustellen und den "Boulevard Ulmer Straße" (Projektname) kommende Jubiläumssaison des Theaters begleiten zu lassen. Nach einem Jahr Vorbereitung seien von Daniela Mühlbäck nun mit Hilfe von 30 Kooperationspartnern 50 Veranstaltungen zusammengetragen worden. Einige Events werden das Gesamtprojekt bis zu dessen Ende (18. Juni 2017) begleiten, andere beteiligen sich nur mit einer Aktion. 

Beispiel „Gerücheküche“: Verschiedene Aalener Einrichtungen werden einmal im Monat (mittwochs, 12 bis 14 Uhr) Suppe für alle kochen. Verköstigt werden darf diese dann in einem eigens aufbereiteten Bauwagen, der allmonatlich seine Station wechselt. Auftakt ist im Oktober die DAA (im Wi.Z), im November folgt die „Tonfabrik“. Nach Auffassung von Projektbetreuerin Anne Klöcker heißt dann die Devise: „Zusammenkommen, kennenlernen, gemeinsam essen.“ Das fördere gegenseitiges Interesse an der Kultur des jeweils anderen, hofft die Theaterpädagogin.

Mit „Busgeschichten“ ist ein weiteres Projekt überschrieben. Dabei wollen Martina Ebel, Silke Schwab, Ines Tartler, Andreas Böhm und Andreas Welzenbach in den OVA-Buslinien 61 und 62 während der Fahrt Bild- und Videokunst zeigen, während der Verein "New Limes & Wir" gemeinsam mit der tamilischen Tanzschule, der Schiller- und der Musikschule für eine klingende GSA sorgen wollen. Ihr Projekt: „GSA Boogaloo“.

Wichtig ist den Projetteilnehmern der integrative Charakter aller Aktionen, zumal sich diese Orientierung durch die Anwesenheit der katholischen Kirche Sankt Maria und der DITIB-Moschee ergibt. Aber nicht nur, wie Burkard Rausch, Geschäftsführer der Firma GSA, zu berichten weiß: „Die GSA beteiligt sich gerne am Boulevard Ulmer Straße, schließlich arbeiten bei uns über zwei Dutzend verschiedene Nationalitäten.“

Dass die Ulmer Straße mehr als eine bedeutende Verkehrsader für die Stadt sei, bemerkte der Diakon der Marienkirche Michael Junge: "Ulmer Straße, das ist Bildung, Arbeit, Wohnen und Theater, aber auch Gebet.“ Deshalb sei das Projekt so optimal, pflichtet ihm Ralf Kurek (Villa Stützel) bei und Ulrike Breunig vom Beruflichen Fortbildungszentrum BFZ sieht darin bereits ein "ideales Netzwerk über die Straße hinweg" entstehen. Eines, an dem viele Akteure knüpfen, auch wenn sie nicht unmittelbare Anrainer sind, wie das "Kino am Kocher". Schließlich verbindet der Bach durch seinen Lauf (fast) alle wichtigen Kultureinrichtungen der Stadt - von der Erlau bis zum "Kino am Kocher".

Dasselbige wird zum Projektstart (1. Oktober) in der Schrottfabrik einen Überraschungsfilm beisteuern. "Wir eröffnen den Boulevard mit einem Spaziergang entlang der Ulmer Straße, der gleichzeitig als Vernissage die Fotoarbeiten aus dem Projekt `Der Augenblick´ (Verantwortlich: Winfried Tobias) präsentiert. In der ehemaligen Schrottfabrik singt der erste Aalener Bürgerchor, es folgt der Überraschungsfilm, der thematisch an die Spielzeit und das Thema Begegnungen anschließt. Danach feiern wir in Bild und Ton den Start dieses Kunst- und Kulturprojekts", verspricht Intendant Kleinknecht.


Schwäbische Post vom 04. Oktober 2016 von Benedikt Walther

Ulmer Straße wird Boulevard

25 Jahre Theater der Stadt Aalen: Mit einem Spaziergang eröffnen die Aalener einen Kunstboulevard in der Ulmer Straße.

Exakt 25 Jahre Theater der Stadt Aalen. Das muss gefeiert werden – die ganze Straße entlang, die zum Theater führt. In der Spielzeit 2016/17 verwandelt sich die Ulmer Straße zum Boulevard, einem Platz für Kunst, Kultur und Zusammenkunft.

Winfried Tobias, Mitglied der künstlerischen Leitung des Theaters, hat sich im Innenhof der Schrottfabrik postiert. Bewaffnet mit Megafon und Sterntafel ruft er die Gäste zusammen. Gemeinsam geht man spazieren, den Boulevard entlang. Dort wartet die Ausstellung „der Augenblick“, die vom Aalener Fotolabel MIAA inszeniert wurde. Jedes der acht Motive, die sich von der Marienkirche bis zu RUD-Ketten in Richtung Unterkochen wiederfinden, erzählt eine Geschichte zu dem jeweiligen Ort, wo es steht. Nahe der Tonfabrik sind Bahnschienen abgebildet. Ein Mann mit GSA-Arbeiterkleidung steht vor einem brennenden Einkaufswagen, um ihn herum sitzen Jugendliche, machen Selfies und trinken Dosenbier. „Aalener sind eingeladen, sich Gedanken über die Motive zu machen und diese an das Theater zu senden“, sagt Tobias. Bei der Ditib-Moschee und dem Flüchtlingsheim hängen zwei Werke. Das eine zeigt den Vorplatz der Moschee, darauf wird interkulturell gekickt.

Bei den Möbelspezialisten für den öffentlichen Raum, der Firma Erlau, steigen die Gäste in den Bus um. Zurück in der Schrottfabrik, es ist schon dunkel, können sich die Besucher dort das anschauen, was in Zukunft oberhalb des Führerhäuschens über den Bildschirm flimmert. Unterschiedliche Impressionen der Ulmer Straße, als Fotografien, Collagen und Animationen. Im pink-durchtränkten Raum hat sich kurz vor 20 Uhr der erste Aalener Bürgerchor versammelt. Unter der Leitung von Thomas Haller präsentieren sie das Stück „wir sind die nebelfreie Stadt“. Eine gesprochene Hommage an Aalen, die Eigenheiten, bekannte Gesichter und auch Vorurteile aufgreift sowie die Identität der Stadt herausarbeitet.

„Wir schauen nach vorne“, betont der Intendant des Theaters der Stadt Aalen, Tonio Kleinknecht. Nicht umsonst lautet das Motto zur Spielzeit 2016/17 „am liebsten erinnere ich mich an die Zukunft“. Wenn man zum Theater fährt, ist man auf der Ulmer Straße unterwegs. „Es war uns wichtig, die verschiedenen Einrichtungen zu vernetzten“, so Kleinknecht. Dafür mitverantwortlich ist die Projektkoordinatorin Daniela Mühlbäck. Die freut sich über einen gelungendenen Start mit 120 Gästen: „Ein besonderes Projekt, an einem besonderen abgefahrenen Ort. Toll, dass sich so viele darauf einlassen“. Viele Aktionen hat auch das Theater geplant – der Vorhang ist erst gerade aufgegangen.


Aalener Nachrichten vom 15. Oktober 2016 von Ansgar König

„So fängt die Straße an zu leben“

Aalener Nachrichten/Ipf- und Jagst-Zeitung stellen Akteure des soziokulturellen Projekts „Boulevard Ulmer Straße“ vor

„Wir leben oft aneinander vorbei. Mit dem ,Boulevard Ulmer Straße‘ und der,Gerücheküche‘ wollen wir uns kennenlernen und näherkommen, an einen Tisch sitzen“, fasst Theaterpädagogin Anne Klöcker zusammen, was hinter dem soziokulturellen Projekt „Boulevard Ulmer Straße“ steht. Das Projekt begleitet das Aalener Stadttheater durch sein 25-jähriges Jubiläum. Die Ulmer Straße als heterogenen Stadtbereich, als bunte Mischung der Kulturen, als urbanes Symbol für Integration darzustellen, das ist die Intention des soziokulturellen Projekts Boulevard Ulmer Straße, das die Jubiläumssaison des Theaters der Stadt Aalen begleiten wird. Ein Jahr Vorbereitung, 50 Veranstaltungen, 30 Kooperationspartner: Ein Projekt mit einem solchen Ausmaß hat es am Aalener Theater bisher nicht gegeben. Projektleiterin Daniela Mühlbäck hat im Vorfeld die unterschiedlichsten Institutionen, Vereine und Firmen an einen Tisch geholt. In einer kleinen Serie wollen die Aalener Nachrichten/Ipf- und Jagst-Zeitung die wichtigsten Projektpartner und ihre Intention vorstellen. Zum Auftakt hat unser Redakteur mit den Kulturschaffenden gesprochen.

● Kulturküche Aalen: „Seit 15 Jahren kümmern wir uns um kommunikative und kulturelle Arbeit“, erklärt Vorsitzende Rosemarie Wilhelm. „Mit dem Theater der Stadt Aalen haben wir schon öfters zusammengearbeitet, vor allem auf der kulinarischen Schiene, auch wenn die nicht unser Hauptgeschäft ist.“ Das ist zum Beispiel das Café Kulturküche, ein Treffpunkt für Besucher von Integrationsund Sprachkursen, „eine Möglichkeit zu besprechen, was sonst zu kurz kommt“, fügen Wolfgang Schmid und Leila Talebi-Schmid, die das Café betreuen, an. Momentan betreut die Kulturküche zum Beispiel eine Nähstube mit den Frauen der Flüchtlingsunterkunft mit sechs Nähplätzen. „Das läuft super“, freut sich Wilhelm, „wir nähen alles, vom Kopftuch bis zur Kinderhose.“ Oder die interkulturellen Kochtreffs, aus denen auch ein internationales Kochbuch hervorgegangen ist. Oder die interkulturelle Woche, die noch bis zum 26. Oktober läuft. „Bei der ,Gerücheküche‘ machen wir im April natürlich gerne mit, das passt zu uns“, fasst Rosemarie Wilhelm zusammen.

● Villa Stützel: 2013 hat das Ärzteehepaar Sandra Röddiger und Ralf Kurek die Villa Stützel in der Ulmer Straße 116 gekauft. Schnell war klar: „Wir wollen die Villa öffnen für die Allgemeinheit“, blickt Sandra Röddiger zurück, denn das Herz des Ehepaars schlägt für Theater und Musik, für die Kultur im Allgemeinen. Zum einen haben die beiden ein eigenes Kulturprogramm zusammengestellt – teilweise zugunsten des Projekts „Zukunft für Nepal Ostwürttemberg“ von Petra Pachner. Zum anderen steht das Haus aber auch anderen Nutzen zur Verfügung, ist seit kurzem sogar offizieller Trauraum der Stadt Aalen. Die Villa steht nicht nur in der Ulmer Straße, sie ist ein wichtiger Teil: „Es ist die alte Industriellenvilla der Firma Stützel & Sachs, sie hat natürlich Bezug zur Industrie der Ulmer Straße“, erläutert Ralf Kurek, und Sandra Röddiger lobt vor allem das schöne Miteinander in der Ulmer Straße mit GSA, Tonfabrik oder dem Flüchtlingsheim: „Hier ist alles in Ordnung, keine Probleme, keine Randalierer oder ähnliches.“ Die Villa Stützel beteiligt sich unter anderem im Dezember an der „Gerücheküche“. Am 27. November gibt es in der Villa die „Winterreise“ von Schubert in Zusammenarbeit mit dem Kammermusikforum Ostwürttemberg.

● Theater der Stadt Aalen: „Die Ulmer Straße ist schon etwas Besonderes: hier arbeiten viele und wohnen wenige“, charakterisiert Theaterprädagogin Anne Klöcker die Straße, in der das Theater sein Zuhause hat. Tina Brüggemann von der Theaterleitung hingegen ist die Nachhaltigkeit wichtig: „Wir wollen die Straße verändern.“ Das Theater hat das Projekt, das als soziokulturelles Projekt im Rahmen des Programms „Gemeinsam sind wir bunt“ vom Ministerium für Soziales und Integration gefördert wird, ins Leben gerufen – passend zum Motto der Jubiläumsspielzeit „Am liebsten erinnere ich mich an die Zukunft“. „Jede Institution entlang der Ulmer Straße kann sich zeigen“, freut sich Anne Klöcker, „so fängt die Straße an zu leben.“

● Künstlerkollektiv: Seit gut fünf Jahren arbeiten Martina Ebel, Silke Schwab, Ines Tartler, Andreas Böhm und Andreas Welzenbach zusammen und kümmern sich überwiegend um Kunst im öffentlichen Raum. Für den „Boulevard Ulmer Straße“ haben sie sich die „BUSgeschichten“ ausgedacht. „Schnell haben wir festgestellt“, sagt Silke Schwab, „dass sich die unterschiedlichen Gesichter der Straße wunderbar mit einer Busfahrt verbinden lassen – von der Hochbrücke bis zu Erlau.“ Jeder der fünf hat sich auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Charakter der Straße auseinander gesetzt – mal als surreale Bilderstrecke, mal als Lichtertanz. Martina Ebel zum Beispiel sieht die Straße als Theater, den Verkehr als Kulisse. „Einblicke hinter die Kulissen, in unterschiedliche Persönlichkeiten und Kulturen“ wollen die fünf bieten. Silke Schwab: „Kunst und Maschinen, Schönes und Hässliches, Normales und Witziges.“

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