Einestillefuerfrauschirakesch

Eine Stille für Frau Schirakesch

von Theresia Walser

Stellen Sie sich vor, Sie sind zu einem Event auf dem Marktplatz von Aalen eingeladen und die Kleiderordnung lautet: Bikini oder Burka. Was würden Sie wählen? – Deutschland, ein Fernsehstudio, Anfang des 21. Jahrhunderts. Hilda Ludowsky hat aus ganz besonderem Anlass zu ihrer heutigen Talkshow eingeladen: In 77 Minuten wird Frau Schirakesch auf dem Marktplatz von Tschundakar gesteinigt. Mit dabei sind ein General, zwei Schönheitsköniginnen, eine traumatisierte Soldatin, ungewollt auch deren Vater und natürlich sie selbst. Das Motto der Talkmasterin heißt: Hinschauen, aber nicht Zuschauen. Nach ihrem Willen beginnt die Sendung zeitgleich mit Beginn der Steinigung und einem Moment der Stille aller geladenen (und ungeladenen) Gäste zum Zeichen des Protests. Doch schon die Vorbereitung auf die Sendung samt Probe der gewünschten Stille stellt die Runde vor ungeahnte Herausforderungen. Kein Zweifel: Der Marktplatz in Tschundakar wird mit Steinen ins biblische Zeitalter zurückgeworfen. Doch was passiert in Deutschland, wenn der öffentliche Diskurs erst gar nicht mehr auf dem Markt, sondern nur noch auf der Couch geführt wird?

Theresia Walser

Theresia Walser (*1967) hat an der Hochschule für Musik und Theater Bern ein Schauspielstudium absolviert, war anschließend zwei Jahre am Jungen Theater Göttingen engagiert und begann das Schreiben 1996 mit „Das Restpaar“. Rasch folgten weitere Stücke und schon 1998 wurde sie in der Kritikerumfrage der Zeitschrift „Theater heute“ zur besten Nachwuchsautorin gewählt, 1999 schließlich zur besten deutschsprachigen Autorin. Walsers Theaterstücke sind als Gegenentwürfe zum gängigen Bühnen-Realismus gedacht und ihre ungewöhnliche, poetische Sprachkunst wird von der Kritik einhellig gelobt. „Eine Stille für Frau Schirakesch“ wurde 2011 am Theater Osnabrück (in Kooperation mit dem Theater Freiburg) uraufgeführt und diese Inszenierung wurde 2012 zu den Autorentheatertagen nach Berlin eingeladen. Das Theater der Stadt Aalen ist die erste Bühne, die das Stück neu erarbeitet.

Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag, Reinbek


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